Nachlese – Friedenstüchtig werden – Lesung mit Fabian Scheidler
Die europäischen Länder sollten alle diplomatischen Kanäle nutzen, um zu einem Waffenstillstand und einem Friedensvertrag mit Russland beizutragen. Im Atomzeitalter dürfe die Politik nicht aufhören, mit der anderen Seite zu reden und Verhandlungen konstruktiv zu befördern. Das unterstrich Fabian Scheidler in der gutbesuchten Lesung über sein aktuelles Buch „Friedenstüchtig“, zu der die Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Ros-Luxemburg-Club MOL und die Modrow-Stiftung am 25. November in Strausberg eingeladen hatten.
Scheidler warnte davor, soziale und demokratische Errungenschaften einer schrankenlosen Militarisierung zu opfern. Aufrüstung trage zu mehr Eskalation von Konflikten und zu Risiken eines Nuklearkrieges bei, so seine These. In der Geschichte habe es dutzende von Beinah-Atomkriegen gegeben, die zumeist nur dank des couragierten Handelns einzelner Entscheider, oft nahezu in letzter Minute, verhindert wurden.
Bei notwendigen Verhandlungen müssten die legitimen Sicherheitsinteressen einer jeden Seite berücksichtigt und alle Akteure gleichberechtigt behandelt werden. Stattdessen bewege sich Europa immer tiefer in eine selbstzerstörerische Kriegslogik hinein. Westliche Verhandlungsverweigerungen über Sicherheitspartnerschaften hätten zur Eskalation beigetragen. Dabei haben amerikanische Generäle bereits vor mehr als drei Jahren geäußert, dass die Ukraine einen Krieg mit Russland nicht gewinnen könne. Wichtig wäre die Schaffung einer neuen Sicherheitsarchitektur.
In der sehr lebhaften und auch kontroversen Diskussion an diesem Abend zeigte der Autor anhand von kriegerischen Konflikten, zum Beispiel Irak und Russland, wie Feinde, die bekämpft werden sollten, zu einem großen Teil durch die Politik selbst geschaffen wurden. Der Kampf gegen Terroristen in Afghanistan und im Nahem Osten hätten erheblich zu Aufbau und Stärkung terroristischer Organisationen beigetragen.
Der freischaffende Autor arbeitet u.a. für Le Monde diplomatique und die Berliner Zeitung. Sein Buch „Das Ende der Megamaschine, Geschichte einer scheiternden Zivilisation“ wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt.
Renate Adolph


