Fragen an die Kandidierenden zur Bürgermeister-Stichwahl in Strausberg
2.018 Strausbergerinnen und Strausberger haben in der Hauptwahl ihr Kreuz bei unserem Kandidaten Knut Steinkopf gemacht. Das hat zwar nicht für die Stichwahl gereicht, nimmt uns aber dennoch in die Verantwortung. Denn fünf konkrete Themen liegen nicht nur uns am Herzen, sondern wurden in tausenden Gesprächen an den Haustüren und auf der Straße immer wieder genannt. Im Namen unserer Wähler*innen und Unterstützer*innen haben wir die verbleibenden Kandidaten gebeten, zu folgenden Themen Position zu beziehen. Die entsprechenden Antworten werden hier ergänzen, sobald sie uns vorliegen.
Update vom 08.10.2026: Heute liegen die Antworten beider Kandidat*innen vor und sind unter den jeweiligen Fragen veröffentlicht.
Bezahlbares Wohnen sichern
- Wie wollen Sie gemeinsam mit unserer SWG und weiteren Vermietern ein Wohnungstauschprogramm schaffen, das Senior*innen den Umzug in eine kleinere, möglichst barrierearme Wohnung ermöglicht, ohne dass ihre Gesamtmiete steigt?
Wer sich im Alter verkleinern möchte, darf für weniger Wohnraum nicht plötzlich mehr Miete zahlen. Dafür möchte ich mit der SWG, den Genossenschaften und weiteren Vermietern ein praktikables Wohnungstauschmodell entwickeln. Dabei müssen die gesamte Mietbelastung, Barrierearmut und Unterstützung beim Umzug berücksichtigt werden. Gleichzeitig können größere Wohnungen für Familien frei werden.
Ein Wechsel in eine kleinere, barrierearme Wohnung kann älteren Menschen den Alltag erleichtern. Ich möchte als Bürgermeister entsprechende Lösungen mit den Vermietern anstoßen; die Umsetzung liegt jedoch bei den jeweiligen Geschäftsführungen. Notwendige Instandsetzungen im Rahmen des Wohnungswechsels müssen dabei finanziert werden – eine unveränderte Gesamtmiete lässt sich deshalb nicht garantieren.
- Welche Schritte gehen Sie mit der SWG, den Wohnungsgenossenschaften und weiteren großen Vermietern, um einen Mietenpakt zu vereinbaren, der Mieterhöhungen begrenzt und verhindert, dass vorhandene Spielräume für Mieterhöhungen vollständig ausgeschöpft werden?
Ich möchte mit den großen Vermietern verbindlich darüber sprechen, wie bezahlbare Mieten langfristig gesichert werden können. Gerade eine kommunale Wohnungsgesellschaft trägt soziale Verantwortung. Wirtschaftliches Arbeiten und faire Mieten gehören für mich zusammen. Vorhandene Spielräume für Mieterhöhungen müssen nicht automatisch vollständig ausgeschöpft werden. Welche gemeinsamen Vereinbarungen möglich sind, möchte ich anhand der Bestände, Investitionsbedarfe und wirtschaftlichen Voraussetzungen klären. Eine allgemeine Begrenzung für sämtliche Vermieter kann die Stadt nicht eigenständig festsetzen.
Mit der SWG und Genossenschaften wie Aufbau verfügt Strausberg über große Vermieter, die verantwortungsvoll mit Mieten umgehen. Diese Praxis möchte ich stärken und mit den Vermietern über bezahlbares Wohnen und notwendige Investitionen sprechen. Mietanpassungen müssen mit Augenmaß erfolgen; zugleich müssen steigende Lohn-, Sach- und Finanzierungskosten tragbar bleiben. Die an die Gesellschafter – Stadt Strausberg und Strausberger Eisenbahn – ausgeschütteten Gewinnanteile der SWG kommen der kommunalen Daseinsvorsorge zugute.
- Werden Sie sich für eine Sozialklausel (Härtefallregelung) einsetzen, die Mieterhöhungen deckelt, wenn sie 30% des Haushaltsnettoeinkommen übersteigen?
Ich möchte, dass Menschen bei hoher Mietbelastung wirksame Unterstützung erhalten. Die gesetzlichen Regeln für Mieterhöhungen werden auf Bundesebene festgelegt. Als Bürgermeisterin kann ich keine allgemeine Mietobergrenze einführen. Ich kann aber mit der SWG und weiteren Vermietern über freiwillige Härtefallregelungen sprechen und die städtischen Einflussmöglichkeiten nutzen. Die vorgeschlagene Grenze von 30 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens möchte ich dabei hinsichtlich ihrer Ausgestaltung und praktischen Wirkung prüfen.
Bei finanziellen Härten brauchen Menschen konkrete Unterstützung. Ich möchte am Sozialmanagement der SWG anknüpfen und dabei auch mögliche Wohngeldansprüche berücksichtigen. Eine starre 30-Prozent-Grenze allein wird den unterschiedlichen Haushaltsgrößen und Lebenssituationen nicht gerecht.
- Wie werden Sie sich dafür einsetzen, dass kommunale Grundstücke grundsätzlich im Eigentum der Stadt bleiben und für bezahlbaren beziehungsweise sozial gebundenen Wohnungsbau genutzt werden?
Städtische Grundstücke sind ein wichtiges Instrument, um die Entwicklung Strausbergs langfristig zu gestalten. Deshalb möchte ich den Erhalt im kommunalen Eigentum und die Vergabe im Erbbaurecht vorrangig prüfen. Bei ihrer Entwicklung sollen bezahlbarer Wohnraum, soziale Mischung und nachvollziehbare Konzeptvergaben maßgeblich sein. Ein Verkauf darf keine bloße Antwort auf kurzfristige Haushaltsprobleme sein. Grundstücksentscheidungen brauchen eine transparente Abwägung des langfristigen Nutzens für die Stadt und die erforderlichen Beschlüsse der Stadtverordnetenversammlung.
Städtische Grundstücke sollen langfristig dem öffentlichen Interesse dienen. Ob kommunales Eigentum, Erbbaurecht oder ein Verkauf mit verbindlichen Nutzungszielen die beste Lösung ist, muss im Einzelfall entschieden werden.
Klimafestigkeit und Wasserschutz
- Wie gestalten Sie den Weg zu einem Hitze-Aktionsplan?
Hitzeschutz muss im Alltag ankommen. Ich möchte die zuständigen Bereiche der Verwaltung mit dem Gesundheitsamt, Pflegeeinrichtungen, Kitas, Schulen und Wohnungsunternehmen zusammenbringen und vorhandene Planungen in konkrete Maßnahmen übersetzen. Dazu gehören beschattete Aufenthaltsorte, der Erhalt von Bäumen und Grünflächen, verständliche Informationen und besondere Aufmerksamkeit für gesundheitlich gefährdete Menschen.
Den Beschluss dazu habe ich bereits 2020 initiiert. Als Bürgermeister ist es mir daher ein persönliches Anliegen, die Umsetzung in unserem kommunalen Einflussbereich voranzubringen: etwa mit einem freiwilligen Hitzeschutzregister für gefährdete Menschen und wirksamem Hitzeschutz bis hin zur Klimatisierung beim Neubau einer Turnhalle.
- Wie wollen Sie erreichen, über das Zisternenförderprogramm hinaus, dass bei kommunalen Bauvorhaben und auf privaten Flächen mehr Regenwasser vor Ort versickert, gespeichert und genutzt wird, statt über die Kanalisation abzufließen?
Bei kommunalen Bauvorhaben möchte ich Versickerung, Speicherung und Nutzung von Regenwasser von Anfang an berücksichtigen. Entsiegelung und Regenwasserrückhaltung sollen feste Bestandteile der Planung werden. Für private Eigentümer braucht es verständliche Beratung und geeignete Anreize. Innenentwicklung bleibt wichtig, muss aber mit Augenmaß erfolgen und den örtlichen Wasserhaushalt berücksichtigen.
Versickerung vor Ort ist wichtig für die Grundwasserneubildung. Ich möchte unnötige Versiegelung vermeiden und geeignete Versickerungsflächen bei Bauvorhaben sichern. Zisternen können Trinkwasser sparen; ihr zusätzlicher Nutzen für den örtlichen Wasserhaushalt hängt von der konkreten Nutzung und dem sonstigen Verbleib des Regenwassers ab.
- Welche konkreten Maßnahmen wollen Sie ergreifen, um den Wasserhaushalt des Straussees und der umliegenden Landschaft langfristig zu stabilisieren?
Ich möchte die beschlossenen Untersuchungen und fachlich tragfähigen Maßnahmen zur Stabilisierung des Straussees konsequent weiterverfolgen. Eine mögliche Zuführung aus dem Kriensee muss hinsichtlich Wasserqualität und ökologischer Auswirkungen belastbar sein. Regenwasserrückhaltung, Versickerung und die kritische Betrachtung von Wasserentnahmen gehören ebenfalls dazu.
Meine langfristige Vision ist ein Klärwerk für Strausberg unter Beteiligung unserer direkten Nachbarkommunen. Dabei möchte ich prüfen lassen, welchen Beitrag aufbereitetes Abwasser zur Stabilisierung des regionalen Wasserkreislaufs leisten kann. Diese Vision muss fachlich, ökologisch und wirtschaftlich geprüft und mit dem WSE, den Nachbarkommunen und den zuständigen Behörden beraten werden. Ein Klärwerk für das gesamte Verbandsgebiet ist damit nicht gemeint. Im WSE werde ich Strausbergs Interessen aktiv vertreten und gemeinsame Lösungen einfordern.
Ich werde dem Straussee im WSE eine starke Stimme geben und Verbündete wie Petershagen-Eggersdorf, Altlandsberg und Fredersdorf-Vogelsdorf für den Schutz von Straussee und Bötzsee suchen. Bereits erstellte Untersuchungen müssen in wirksame Maßnahmen zum Wasserrückhalt und zur Stabilisierung der Seen münden. Zusätzlich möchte ich alternative Wasserquellen und eine stärkere Wiederverwendung aufbereiteten Wassers prüfen lassen, um die örtlichen Grundwassersysteme zu entlasten.
Soziale und kulturelle Förderung
- Welche konkreten Angebote und Strukturen in den Wohnquartieren wollen Sie dauerhaft sichern oder neu schaffen, um gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken und soziale wie kulturelle Teilhabe wohnortnah zu ermöglichen?
Ich möchte vorhandene soziale, kulturelle und sportliche Angebote stärken und gemeinsam mit den Menschen vor Ort klären, wo Lücken bestehen. Vereine, soziale Träger und ehrenamtlich Engagierte brauchen verlässliche Ansprechpartner in der Verwaltung. Für Jugendliche wünsche ich mir zusätzliche Begegnungsmöglichkeiten, etwa ein Jugendcafé, das mit ihnen gemeinsam entwickelt wird. Bestehende Einrichtungen und Räume sollen dabei einbezogen werden.
Vereine ermöglichen gesellschaftliche Teilhabe – im Sport, in der Kultur und im sozialen Bereich. Ich möchte die Förderung der Angebote stärker am Bedarf der verschiedenen Altersgruppen und Wohngebiete ausrichten. Eine effiziente Verwaltung und eine wirtschaftlich starke Stadt schaffen die finanzielle Grundlage für verlässliche Förderung.
- Was werden Sie unternehmen, damit in unserer Stadt Bürgerzentren entstehen und sich zu lebendigen Stadtteiltreffpunkten entwickeln können?
Lebendige Stadtteiltreffpunkte entstehen durch Menschen, Angebote und verlässliche Organisation. Ich möchte zunächst prüfen, welche vorhandenen Räume sich besser oder gemeinsam nutzen lassen, welche Angebote gebraucht werden und wer sie tragen kann. Daraus sollen passende Lösungen für die jeweiligen Quartiere entstehen, mit einem tragfähigen Betriebs- und Finanzierungskonzept.
Mit der Volkssolidarität in der Gerhart-Hauptmann-Straße, dem Promenadentreff in der Vorstadt und dem Domizil in Hegermühle gibt es bereits wichtige Treffpunkte. Auch die geplante Nachnutzung der Kita Wirbelwind bietet eine Perspektive. Diese und andere Ansätze möchte ich bedarfsgerecht weiterentwickeln.
- Welche Schritte unternehmen Sie, um den Festsaal als Identität stiftendes kulturelles Zentrum zu entwickeln?
Der Alte Festsaal ist ein besonderer Ort für Strausberg. Ich möchte den Verein, die Eigentümerseite, mögliche Investoren und weitere Partner zusammenbringen, um eine kulturelle und wirtschaftlich tragfähige Perspektive zu entwickeln. Dazu gehören ein realistisches Nutzungskonzept, die baulichen Voraussetzungen und eine belastbare Finanzierung. Das Engagement für seinen Erhalt verdient aktive Unterstützung durch die Stadt.
Für zusätzliche Kulturangebote möchte ich zunächst vorhandene Räume stärker nutzen und mit den Betreibern des Volkshauses Nord und des Alten Postgeländes sprechen. Das eröffnet Chancen für kurzfristige, finanzierbare Lösungen. Für die Entwicklung des Festsaals brauchen wir ein belastbares Nutzungs-, Sanierungs- und Finanzierungskonzept.
- Wie gestalten Sie die Haushaltspolitik, um Einschnitte in der Kultur-, Sozial- und Sportförderung zu verhindern?
Diese Angebote tragen wesentlich zur Lebensqualität und zum Zusammenhalt bei. Deshalb möchte ich sie bei Haushaltsentscheidungen ausdrücklich berücksichtigen und pauschale Kürzungen vermeiden. Dafür müssen wir gemeinsam mit den Stadtverordneten Prioritäten setzen, Fördermittel aktiv erschließen, vorhandene Ressourcen sinnvoll nutzen und Folgekosten ehrlich betrachten. Eine starke örtliche Wirtschaft schafft zugleich die finanzielle Grundlage für vieles, was wir als Stadt ermöglichen wollen. Eine uneingeschränkte Zusage, dass es unter allen Umständen keinerlei Einschnitte geben wird, wäre jedoch nicht seriös.
Die verlässliche öffentliche Förderung von Kultur-, Sozial- und Sportangeboten braucht ein solides finanzielles Fundament. Während meines Vorsitzes hat die AG Förderrichtlinie bereits die Vereinsförderung mit Schwerpunkt Kinder- und Jugendarbeit verbessert. Daran möchte ich anknüpfen und durch klare Haushaltsprioritäten sowie wirtschaftliches Verwaltungshandeln die Förderung absichern.
Verwaltung, Beteiligung und demokratische Kommunalpolitik
- Wie gehen Sie vor, um das Personal der Stadtverwaltung und der kommunalen Unternehmen, auch in wirtschaftlich schwierigen Phasen zu halten und fachgerechte Dienstleistung sowie eine qualifizierte öffentliche Daseinsvorsorge zu ermöglichen?
Gute Dienstleistungen brauchen qualifizierte und motivierte Beschäftigte. Ich möchte klare Zuständigkeiten, verlässliche Führung, Entwicklungsmöglichkeiten und zeitgemäße Arbeitsabläufe schaffen. Die von mir angestrebte Organisationsuntersuchung dient ausdrücklich nicht dem Abbau von Arbeitsplätzen. Strausberg ist gewachsen; die Strukturen müssen mit den Aufgaben Schritt halten. Digitalisierung soll Beschäftigte entlasten und mehr Zeit für die Anliegen der Menschen schaffen. Bei den kommunalen Unternehmen möchte ich diese Ziele gemeinsam mit den Geschäftsführungen und den zuständigen Gremien verfolgen.
Qualifizierte Beschäftigte brauchen verlässliche Perspektiven, gute Führung und funktionierende Abläufe. Der Beschluss, trotz einer Einrichtungsschließung bis Ende 2028 keine Kitaerzieher freizusetzen, zeigt soziale Verantwortung. Vorausschauende Personalplanung, Weiterbildung und eine effiziente Organisation helfen, solche Perspektiven auch finanziell abzusichern.
- Wie werden Sie Betroffene von kommunalpolitischen und Verwaltungsentscheidungen frühzeitig einbeziehen, um eine intransparente Top-Down-Politik zu vermeiden?
Betroffene sollen einbezogen werden, solange Gestaltungsmöglichkeiten bestehen. Ich möchte frühzeitig über Vorhaben, Entscheidungsgrundlagen und Handlungsspielräume informieren und geeignete Gesprächsformate anbieten. Ebenso wichtig ist die Rückmeldung: Welche Anregungen wurden aufgenommen, welche nicht und warum? Den bestehenden Bürgerhaushalt möchte ich aktiv nutzen und die Beteiligung junger Menschen stärken. Beteiligung braucht einen erkennbaren Einfluss auf Entscheidungen.
Betroffene sollen einbezogen werden, solange Entscheidungen noch gestaltet werden können. Ziele, Alternativen und Kosten müssen frühzeitig verständlich sein. Anschließend muss nachvollziehbar werden, welche Anregungen berücksichtigt wurden und welche aus welchen Gründen nicht.
- Wie werden Sie sich für eine offene, vielfältige und diskriminierungsfreie Gesellschaft als Voraussetzung für eine lebenswerte Stadt einsetzen?
Ich möchte eine Bürgermeisterin sein, die allen Menschen mit Respekt begegnet und klar gegen Ausgrenzung eintritt. Dazu gehören barrierearme Zugänge, gesellschaftliche Teilhabe und die Unterstützung der Menschen, die sich für Zusammenhalt engagieren. Aus meiner Arbeit bei ANIMA weiß ich, wie wichtig es ist, Betroffene einzubeziehen und Hindernisse im Alltag konkret abzubauen.
Als Bürgermeister bin ich für alle Strausberger da. Ich werde Barrieren bei städtischen Angeboten abbauen und gegen Diskriminierung, Menschenfeindlichkeit und Einschüchterung Stellung beziehen. Unterschiedliche demokratische Überzeugungen gehören selbstverständlich zu unserer Stadtgesellschaft.
Kommunale Friedenspolitik und Bevölkerungsschutz
- Wie erreichen Sie, dass die regionale Wirtschaftsförderung ausschließlich einer zivilen wirtschaftlichen und technologischen Entwicklung dient?
Meine Aufgabe als Bürgermeisterin ist es, den Wirtschaftsstandort Strausberg zu stärken: bestehende Unternehmen unterstützen, Ausbildung und Arbeitsplätze sichern und verantwortungsvolle Innovationen ermöglichen. Dafür braucht es klare Ansprechpartner und verlässliche Verfahren.
Zivile wirtschaftliche und technologische Entwicklungen möchte ich aktiv fördern. Einen pauschalen Ausschluss von Unternehmen allein wegen ihrer Zusammenarbeit mit der Bundeswehr unterstütze ich nicht. Die Bundeswehr ist ein wichtiger Arbeitgeber und Partner unserer Stadt. Über die grundsätzliche Ausrichtung der deutschen Verteidigungspolitik wird auf Bundesebene entschieden.
Ich sehe den wirtschaftspolitischen Schwerpunkt in der Förderung von Handwerk und Gewerbe, die gute Arbeitsplätze schaffen und Strausberg stärken. Eine ausschließlich zivile Nutzung lässt sich bei vielen Technologien nicht eindeutig abgrenzen. Deshalb möchte ich Vorhaben nach ihrer konkreten Tätigkeit, verantwortungsvollem Wirtschaften und ihrem Nutzen für die Stadt beurteilen.
- Wie verhindern Sie eine schleichende Militarisierung des Alltages in unserer Stadt?
Ich stehe für Frieden, Verständigung und eine Welt ohne Atomwaffen. Entscheidungen über Außenpolitik, Verteidigung und die Ausrichtung der Bundeswehr werden auf Bundesebene getroffen.
Meine Verantwortung vor Ort liegt im respektvollen Zusammenleben. Soldatinnen und Soldaten, zivile Beschäftigte und ihre Familien gehören zu Strausberg. Die pauschale Beschreibung einer „schleichenden Militarisierung des Alltags“ teile ich nicht. Konkrete Anliegen und Auswirkungen auf unsere Stadt möchte ich offen besprechen und nachvollziehbar bewerten.
Frieden zu bewahren und die Folgen von Krieg und Gewaltherrschaft zu vermitteln, ist mir wichtig. Dazu gehört eine offene Auseinandersetzung mit Strausbergs Geschichte als Garnisonsstadt, die viele Familien geprägt hat. Die Angehörigen der Bundeswehr und ihre Familien sind Teil unserer Stadtgesellschaft; diese seit Jahrzehnten bestehende Verbindung ist für mich keine schleichende Militarisierung.
- Wie wollen Sie den Schutz der Menschen vor Katastrophen und Großschäden zuverlässiger organisieren?
Beim Bevölkerungsschutz greifen unterschiedliche Zuständigkeiten ineinander. Der Bund verantwortet den Zivilschutz im Verteidigungsfall. Der Landkreis ist für den Katastrophenschutz zuständig; die Stadt trägt Verantwortung für den örtlichen Brandschutz und die Hilfeleistung.
In diesem Rahmen möchte ich Strausbergs Vorbereitung stärken. Gemeinsam mit Feuerwehr, Landkreis, Versorgungsunternehmen und weiteren Beteiligten möchte ich die örtlichen Vorkehrungen und Schnittstellen überprüfen. Dazu gehören ausreichende personelle Handlungsfähigkeit, klare Ansprechpartner, abgestimmte Abläufe bei Stromausfällen, Warnung und Information, die Unterstützung besonders gefährdeter Menschen und regelmäßige Übungen. Entscheidend ist, dass die Zusammenarbeit im Ernstfall funktioniert.
Mein Dank gilt den ehrenamtlichen Kräften von Wasserrettung, Feuerwehr, THW und Rotem Kreuz. Stadt und kommunale Unternehmen sollten wenn möglich ihnen bei passenden Qualifikationen noch häufiger berufliche Perspektiven bieten und ihr Engagement unterstützen. Für die rund 5.000 Menschen in der Vorstadt setze ich mich für die Einhaltung der Feuerwehr-Hilfsfristen ein – durch eine verbindliche Vereinbarung mit Eggersdorf oder ein zusätzliches Feuerwehrgerätehaus. Für eine mögliche Nachnutzung des Feuerwehrtechnischen Zentrums habe ich THW und Landkreis miteinander ins Gespräch gebracht.

